Eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zivilisation ist der Kampf gegen überflüssige Pfunde. Das einfachste Mittel, um dem angefutterten Speck zu Leibe zu rücken, ist bekanntermaßen Bewegung oder besser noch sportliche Betätigung. Doch wer läuft, radelt oder schwimmt wirklich gerne, wenn der Körper bereits aus der Form geraten ist, die Puste knapp wird und die Gelenke schmerzen? Nur eine Sportart, die man mit Begeisterung über längere Zeit betreiben kann, bringt dauerhafte Erfolge.
Hier kommt das Reiten ins Spiel. Gerade Übergewichtige, denen häufig schon jeder Schritt mühsam erscheint, genießen es, von Pferden mühelos getragen zu werden. Im Sinne des Tierschutzes ist hier natürlich anzumerken, dass die Pferde oder Ponys sorgfältig ausgewählt werden müssen und keinesfalls unter dem Reitergewicht leiden dürfen. Bei schweren Kindern sollte in den meisten Ställen möglich sein, ein geeignetes Therapiepferd zu finden, für Erwachsene kommen eher Rassen infrage, die im Ruf stehen, gute Gewichtsträger zu sein. Jeder künftige Reitschüler kann im Gespräch mit dem Reitlehrer klären, ob ein geeignetes Pferd zur Verfügung steht. Was in den ersten Reitstunden als eher passives Sich-Tragenlassen beginnt, hat bereits positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Durch das ständige Mitschwingen mit der Pferdebewegung werden zahlreiche Muskelgruppen aktiviert und besonders die Rumpfmuskulatur gestärkt. Bemerkbar macht sich dies meist durch einen deftigen Muskelkater... Mit jedem Lernfortschritt wird der gewichtige Reiter im wahrsten Sinne des Wortes "auf Trab" gebracht, ein völlig neues Körpergefühl und Selbstbewusstsein stellen sich ein.
Kaum eine andere Sportart ist schon in der Vorbereitung fast nebenbei derart bewegungsintensiv. So bringt der Reiter sein Pony vor der Reitstunde beispielsweise von der Koppel zum Stall, putzt es von Kopf bis Huf, holt Sattel und Trense, saust zwischendurch zur Reithalle, um den Reitlehrer etwas zu fragen, bringt das Pferd zur Halle oder zum Platz, führt es vorm Nachgurten und Aufsitzen noch eine Runde um die Arena ... Und auch nach dem Reiten ruht sich der Reitschüler nicht gleich aus, sondern versorgt seinen Vierbeiner: Absatteln, Abtrensen, Hufe auskratzen, Ausrüstung in die Sattelkammer bringen, das Pferd trockenreiben oder -führen und vielleicht sogar das Ausmisten der Box stehen auf dem Programm. Dadurch, dass alle diese Tätigkeiten unmittelbar sinnvoll erscheinen, werden sie von Reitern aller Altersklassen meist mit Freude ausgeführt (was man von den Aktivitäten bei Ausdauersportarten ja leider nicht sagen kann).
Und spätestens beim ersten Galopp ist der Reitanfänger davon überzeugt, dass sich dieser Sport mit keinem anderen vergleichen lässt!
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